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Die Rückkehrerin, die Andere

Als ich zurückkam, sprach ich anders.
Als ich zurückkam, dachte ich anders.
Als ich zurückkam, aß ich anders.
Als ich zurückkam, wählte ich anders.
Als ich zurückkam, lachte ich anders.
Als ich zurückkam, kleidete ich mich anders.
Als ich zurückkam, bewegte ich mich anders.
Als ich zurückkam, unterhielt ich mich anders.
Als ich zurückkam, interessierte mich anderes.
Als ich zurückkam, war ich anders.
Alles andere, nicht.

(Johanna)

Voll getroffen!

Ich persönlich bin 1944 in Wien geboren aber in Kärnten aufgewachsen, in Pörtschach am Wörthersee, in Klagenfurt auf die Handelsakademie gegangen  – jedoch schon vor 62 Jahren! Danach kurz in Wien, dort geheiratet (einen Wiener), mit ihm durch die Welt gereist, geschieden, verschiedene Privat- und Berufsleben gelebt, letzten Endes in Brüssel gelandet wo ich eine neue Heimat gefunden habe. Ich verstehe warum viele Leute auf die Frage „wollen sie zurück nach Kärnten“ mit nein antworten – nicht weil sie Kärnten nicht schön finden aber weil sie woanders sesshaft geworden sind. Noch dazu drücke ich mich jetzt nach all den Jahren leichter auf Französisch aus und habe dort meinen Schaffens- und Freundeskreis.

Jedoch habe ich immer noch meine österreichische Staatsbürgerschaft, mein Wahlkreis ist Pörtschach! Und dies auch für meine Tochter und meinen Enkel die in Frankreich sesshaft sind und selber nie in Österreich gelebt haben!
Ich bin mit meinem Herz 100% Österreicherin und mache viel Werbung für unser Land rund um mich.
Ich könnte mir nicht vorstellen nicht jedes Jahr nach Kärnten und Wien zu kommen, alte Freunde aus der Heimat zu treffen und wieder Heimatluft zu schnuppern.

Vielleicht verstehen Sie jetzt warum mich das Thema der Abwunderung voll getroffen hat. (Silvia)

Ich bin eine Dagebliebene


Mein Name ist Anja, und ich bin weder beruflich weit herumgekommen, noch habe ich mit meinen bisherigen sieben Wohnorten geographisch große Kreise gezogen.

Ich bin eine Dagebliebene – meiner Heimat Oberkärnten bis heute treu gebliebene.

Eingebunden in verschiedenste Traditionsvereine wie Volkstanzgruppe, Singgemeinschaft, Trachtenmusikkapelle war ich auch durch die Pfarrgemeinde mitten drin im gesellschaftlichen Leben bei uns am Land.

Diese Zugehörigkeit war mir immer wichtig, gab mir Halt, und das Erleben von Gemeinschaft in Form von Gemeinsames Schaffen hat bis heute einen hohen Stellenwert für mich.

Fernweh als Empfinden kenne ich so gut wie gar nicht. – Heimweh hingegen ist mir ein sehr vertrautes Gefühl und hat mich in meinen Ausbildungszeiten immer wieder begleitet.

Daraus ließe sich vielleicht vermuten, dass ich ein Mensch bin, der nicht weiß wie es ist, „sich fremd/anders zu fühlen“ oder „nicht dazuzugehören“…

…jedoch…

Ich habe es erlebt, - als Einheimische inmitten „meiner“ Berge, Felder, Wiesen und dem See, wo ich aufgewachsen bin – ausgegrenzt zu werden und sich fremd zu fühlen.

Um diese Lebenserfahrungen zu machen, habe ich nicht abwandern müssen.

Abwundern tu ich mich darüber immer wieder einmal – bis heute…(Anja)