Kunstprojekt: Queer-feministische Zeilen mit Elisa Vladilo bei schau.Räume Villach 2026
Diese Textsammlung beinhaltet die von den eingeladenen Personen mitgebrachten Texte bzw. Textauszüge sowie deren Übersetzungen ins Deutsche. Sie wurden teils von den Teilnehmenden selbst übersetzt, teils mithilfe digitaler Übersetzungstools (DeepL). Druckfehler und Irrtümer vorbehalten.
Aaiún Nin: You Learn From Women
1.
You learn from women
early on
to not play cards at the devil´s table
To not look straight into the eyes of men
less they take you
Keep your legs closed
be good with your hands and learn quickly
Cry
when no one can see you
eat the pain and
never think this life is yours to live
On Sundays I went to mass with belt marks
on my legs
White Jesus on the cross
who died to save us from our skin
Transfiguration of self-loathing
The blood shed on this altar
as a sacrifice to the gods of greed that
lay dormant behind a silver crucifixion
Eat its body
Drink its blood and
pray for skin light enough
to be loved
The virgin stares ahead
unmoved by tears
of children too young
to feel worthless
with faces
depened with time
and eyes
downcast to avoid attention
Women are meant to be gentle
More caring
less violent
As if we have not learnt to eroticize our pain
Blind
suffocated rage
That lies screaming in the abdomen
An inheritance of rememberence etched onto us
Blow after blow
There are some things
women brought up
fearful and devout
must never crave
Whisperings of the body that clinge to skin
Slow fevers that entice stirrings
In thight spaces
Women with too many secrets
brought up
devout and fearful
Should not be this way
2.
We´re all serpents in the grass
Too true to stay stuck
in time mourning the past
Raging in the present with no space to be restored
A lifetime seeing red makes us bitter
Poisoned by black bile of disingenuous smiles
This world cannot decide my fate
I move
Beyong the dashikis
The intricate names of Yoruba gods
carved statues of nubile women
on black wood
The resentment of the displaced
I renounce the silence
and reclaim a voice
Black as fuck
Head too high
blowing kisses
at scowling faces
Running free enough
to fall for someone with shady eyes
Heal what´s to heal
from a life measured by sighs
things end too quickly to live behind the scenes
You learn from women
early on
that we all need kindness
To look for the stories
in women with downcast eyes
the devil is a lie that disappears behind smoke
and life
is a long journey towards forgiveness.
1.
Man lernt von Frauen
schon früh
nicht am Tisch des Teufels Karten zu spielen
Männern nicht direkt in die Augen zu sehen
damit sie dich nicht holen
Halte deine Beine geschlossen
Sei geschickt mit deinen Händen und lerne schnell
Weine
wenn dich niemand sieht
Verschlucke den Schmerz
und glaube niemals, dieses Leben gehöre dir
An Sonntagen ging ich mit Gürtelschwielen
an den Beinen zur Messe
Ein weißer Jesus am Kreuz
der starb, um uns von unserer Haut zu erlösen
Verklärung des Selbsthasses
Das Blut, vergossen auf diesem Altar
als Opfer für die Götter der Gier
die hinter einem silbernen Kruzifix lauerten
Iss seinen Leib
Trink sein Blut
und bete um eine Haut, hell genug
um geliebt zu werden
Die Jungfrau blickt nach vorn
unbewegt von den Tränen
von Kindern, die noch zu jung sind
um sich wertlos zu fühlen
mit Gesichtern,
von der Zeit gezeichnet
und Augen,
gesenkt, um nicht aufzufallen
Frauen sollen sanft sein
Fürsorglicher
weniger gewalttätig
Als hätten wir nicht gelernt
unseren Schmerz zu erotisieren
Blind
Erstickte Wut, die im Unterleib schreit
Ein Erbe der Erinnerung, in uns eingebrannt
Schlag um Schlag
Es gibt Dinge
mit denen Frauen erzogen werden
ängstlich und fromm
sie dürfen nicht begehren
Flüstern des Körpers, das an der Haut haftet
Langsame Fieber, die locken
In engen Räumen
Frauen mit zu vielen Geheimnissen
aufgezogen
in Frömmigkeit und Furcht
So sollte es nicht sein
2.
Wir sind alle Schlangen im Gras
Zu wahrhaftig, um im Trauern
um die Vergangenheit stecken zu bleiben
Wütend im Jetzt, ohne Raum zur Heilung
Ein Leben lang Rot sehen macht bitter
Vergiftet vom schwarzen Gallensaft unehrlichen Lächeln
Diese Welt entscheidet nicht über mein Schicksal
Ich bewege mich
Jenseits der Dashikis
Der verschlungenen Namen der Yoruba-Götter
der geschnitzten Figuren nackter Frauen
aus schwarzem Holz
Der Groll der Vertriebenen
Ich entsage dem Schweigen
und fordere meine Stimme zurück
Schwarz wie die Nacht
Den Kopf zu hoch erhoben
Küsse werfend
in finstere Gesichter
Frei genug rennend
um mich in Augen zu verlieren, die im Schatten liegen
Heilen, was zu heilen ist
aus einem Leben, gemessen an Blicken
Alles endet zu schnell
um hinter den Kulissen zu verharren
Man lernt von Frauen
schon früh
dass wir alle Güte brauchen
Dass man die Geschichten suchen soll
in Frauen mit gesenkten Augen
der Teufel ist eine Lüge, die hinter Rauch verschwindet
und das Leben
ist eine lange Reise hin zur Vergebung.
Text vorgeschlagen von Mitch Noah Münzer, Diversität, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit bei schau.Räume
Alfonsina Storni: Tú me quieres blanca
Tú me quieres alba,
me quieres de espumas,
me quieres de nácar.
Que sea azucena
Sobre todas, casta.
De perfume tenue.
Corola cerrada.
Ni un rayo de luna
filtrado me haya.
Ni una margarita se diga mi hermana.
Tú me quieres nívea,
tú me quieres blanca,
tú me quieres alba.
Tú que hubiste todas
las copas a mano,
de frutos y mieles
los labios morados.
Tú que en el banquete
cubierto de pámpanos
dejaste las carnes
festejando a Baco.
Tú que en los jardines
negros del Engaño
vestido de rojo
corriste al Estrago.
Tú que el esqueleto
conservas intacto
no sé todavía
por cuáles milagros,
me pretendes blanca
(Dios te lo perdone),
me pretendes casta
(Dios te lo perdone),
¡me pretendes alba!
Huye hacia los bosques,
vete a la montaña;
límpiate la boca;
vive en las cabañas;
toca con las manos
la tierra mojada;
alimenta el cuerpo
con raíz amarga;
bebe de las rocas;
duerme sobre escarcha;
renueva tejidos con salitre y agua:
Habla con los pájaros
y límpiate al alba.
Y cuando las carnes
te sean tornadas,
y cuando hayas puesto
en ellas el alma
que por las alcobas
se quedó enredada,
entonces, buen hombre,
preténdeme blanca,
preténdeme nívea,
preténdeme casta
Du willst mich wie die Morgendämmerung,
du willst mich wie Schaum,
du willst mich wie Perlmutt.
Ich soll eine Lilie sein,
über allen anderen, keusch.
Mit zartem Duft.
Geschlossener Blütenkrone.
Kein Mondstrahl
darf mich durchdringen.
Keine Margerite soll meine Schwester sein.
Du willst mich schneeweiß,
du willst mich weiß,
du willst mich wie die Morgendämmerung.
Du, der du alle Kelche
zur Hand hattest,
die Lippen violett
von Früchten und Honig.
Du, der du beim Festmahl,
bedeckt von Weinranken,
das Fleisch zurückgelassen hast,
um Bacchus zu feiern.
Du, der du in den schwarzen Gärten
der Täuschung
in rotem Kleid
dem Verderben entflohen bist.
Du, der du das Skelett
unversehrt bewahrst,
ich weiß noch nicht,
durch welche Wunder,
du willst mich weiß haben
(Gott vergebe dir),
du willst mich keusch haben
(Gott vergebe dir),
du willst mich dämmerig haben!
Fliehe in die Wälder,
geh in die Berge;
reinige deinen Mund;
lebe in Hütten;
berühre mit deinen Händen
die feuchte Erde;
ernähre deinen Körper
mit bitteren Wurzeln;
trinke aus den Felsen;
schlafe auf Frost;
erneuere dein Gewebe mit Salpeter und Wasser:
Sprich mit den Vögeln
und reinige dich im Morgengrauen.
Und wenn dir dein Fleisch
zurückgegeben wird,
und wenn du deine Seele,
die in den Kammern
verstrickt geblieben ist,
in es gelegt hast,
dann, guter Mann,
halte mich für rein,
halte mich für schneeweiß,
halte mich für keusch.
Text vorgeschlagen von Sara Zambrano Moreno, Schauspielerin, Regisseurin & Theatermacherin, teatro zumbayllu
Clara Zetkin
1. We do not expect our full emancipation from the admission of women to what is called the sex trade.
2. That rights/laws without economic freedom is nothing more and nothing less than a change.
3. Equality is based on conviction. We should have a range of social movements that advocates for the political, economic and social equality of the sexes.
1. Wir erwarten keine vollständige Emanzipation durch die Zulassung von Frauen zum sogenannten Sexgewerbe.
2. Rechte/Gesetze ohne wirtschaftliche Freiheit sind nichts weiter als eine Veränderung.
3. Gleichberechtigung basiert auf Überzeugung. Wir sollten eine Reihe von sozialen Bewegungen haben, die sich für die politische, wirtschaftliche und soziale Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzen.
Text vorgeschlagen von Menata Njie, Politikerin und Autorin
Dagný Kristjánsdóttir & Kristján Jónsson
Í augsýn er nú frelsi
og fyrr það mátti vera,
nú fylkja konur liði
og frelsismerki bera.
Stundin er runnin upp.
Tökumst allar hönd í hönd
og höldum fast á málum
þó ýmsir vilji aftur á bak
en aðrir standa í stað,
tökum við aldrei undir það.
Viðla
En þori ég, vil ég, get ég?
Já, ég þori, get og vil.
En þori ég, vil ég, get ég?
Já ég þori, get og vil.
Og seinna börnin segja:
sko mömmu, hún hreinsaði til.
Já seinna börnin segja:
Þetta er einmitt sú veröld sem ég vil.
Viðlag
Áfram stelpur, standa á fætur,
slítum allar gamlar rætur,
þúsund ára kvennakúgunar.
Ef einstaklingurinn er virkur
verður fjöldinn okkar styrkur
og við gerum ótal breytingar.
Atkvæði eigum við í hrönnum,
komum pólitíkinni í lag,
sköpum jafnrétti og bræðralag.
Áfram stelpur, hér er höndin,
hnýtum saman vinaböndin,
verum ekki deigar dansinn í.
Byggjum nýjan heim með höndum,
hraustra kvenna í öllum löndum,
látum enga linku vera í því.
Börnin eignast alla okkar reynslu,
sýnum með eigin einingu,
aflið í fjöldasamstöðu.
Stelpur horfið ögn til baka
á allt sem hefur konur þjakað,
stelpur horfið bálreiðar um öxl.
Ef baráttu að baki áttu
berðu höfðu hátt og láttu
efann hverfa, unnist hefur margt.
Þó er mörgu ekki svarað enn:
Því er ekki jafnréttið mikið í raun,
hvenær verða allir menn taldir menn
með sömu störf og líka sömu laun?
Í augsýn er nú frelsi
og fyrr það mátti vera,
nú fylkja konur liði
og frelsismerki bera.
Stundin er runnin upp.
Tökumst allar hönd í hönd
og höldum fast á málum
þó ýmsir vilji aftur á bak
en aðrir standa í stað,
tökum við aldrei undir það.
Viðlag
En þori ég, vil ég, get ég?
Já, ég þori, get og vil.
En þori ég, vil ég, get ég?
Já ég þori, get og vil.
In Sicht ist jetzt die Freiheit,
Und es wurde ja auch endlich Zeit,
Frauen kommen und stehen zusammen,
Und tragen das Symbol der Freiheit.
Die Zeit ist angebrochen!
Die Stunde ist nun da!
Wir halten uns alle Hand in die Hand
Und halten fest an unseren Zielen,
Auch wenn manche nach hinten wollen,
Andere stehen still, Doch wir stimmen niemals zu!
Chor
Doch wage ich, will ich, kann ich?
Ja, ich wage, kann und will!
Doch wage ich, will ich, kann ich?
Ja, ich wage, kann und will!
Und später sagen die Kinder:
Schau Mama, sie hat aufgeräumt.
Ja, später sagen die Kinder:
Genau das ist die Welt, die ich will.
Chor
Vorwärts, Mädchen! Steht auf!
Wir reißen alte Wurzeln aus,
Tausend Jahre Frauenunterdrückung.
Wenn jede*r aktiv ist,
Wird die Masse unsere Stärke,
Und wir machen Veränderungen.
Wir haben eine Stimme,
Bringen die Politik ins Gleichgewicht,
Schaffen Gleichheit und Brüderlichkeit.
Vorwärts, Mädchen! Hier ist die Hand,
Nutzen wir die Freundschaftsbänder,
Werdet nicht Teil des Tanzes,
Baut eine neue Welt mit euren Händen,
Schließen wir die Lücke zwischen Frauen,
In allen Ländern, Lasst keine Lücke offen.
Die Kinder erben unsere ganze Erfahrung,
Zeigen sie mit unserer Einheit,
Die Kraft in der Masse.
Mädchen! Blickt ein wenig zurück
Auf all das, was Frauen unterdrückt hat,
Mädchen! spannt den Rücken durch,
Wenn ihr einen Kampf hinter euch habt,
Tragt den Kopf hoch,
Lass die Angst vergehen, Memories wurden viel durchlebt.
Doch vieles ist noch unbeantwortet:
Denn die Gleichheit ist noch nicht wirklich groß,
Wann werden alle Menschen als Menschen gezählt,
Mit denselben Jobs und auch denselben Löhnen?
In Sicht ist jetzt die Freiheit,
Und früher hätte es sein sollen
Frauen ziehen zusammen,
Und tragen das Symbol der Freiheit.
Die Stunde ist nun da!
Wir nehmen uns alle die Hand in die Hand
Und halten fest an unseren Zielen,
Auch wenn manche nach hinten wollen,
Andere stehen still,
Doch wir stimmen niemals zu!
Chor
Doch wage ich, will ich, kann ich?
Ja, ich wage, kann und will.
Doch wage ich, will ich, kann ich?
Ja, ich wage, kann und will.
Text vorgeschlagen von Simone Dueller, Künstlerin, Kulturvermittlerin & Kulturarbeiterin, Theater a.c.m.e,-
Hafsat Abdullahi
I’m to be a commodity.
Part recreation.
Part reproduction.
I am to be a currency.
A prize to pride
over masculinity.
I am to be,
all I’m told to be.
But today
I’m everything
I’m not supposed to be.
I’m a glitch in
societal programming
I’m becoming a bug in the system
I’m a crack in the matrix wall
I’m a wrecking ball
Smashing Doors
Mashing Laws!
I’m a cracked code
raiding status quo I go
Breaking iron bars
& glass ceilings
I’m demanding!
Intruding!
Overcoming the lies
and the prejudice
And no!
I’m not easy, I’m busy,
Making waves
Making ways
Making space
In this place,
In this room
In this world
I’m empowered to empower
I inspire representation
Inclusion
Mutual Respect
I’m direct impact on society
I’m equality
I am woman!
Ich soll eine Ware sein.
Teils Vergnügen.
Teils Reproduktion.
Ich soll eine Währung sein.
Ein Preis,
mit dem sich Männlichkeit schmückt.
Ich soll sein,
was man mir sagt, dass ich sei.
Doch heute
bin ich alles,
was ich nicht sein soll.
Ich bin ein Fehler
im gesellschaftlichen Programm.
Ich werde ein Bruch im System sein.
Ein Riss in der Matrix-Wand.
Ich bin eine Abrissbirne,
die Türen einschlägt,
Gesetze zerschmettert!
Ich bin ein geknackter Code,
der den Status quo stürmt.
Ich gehe los, breche Eisenstangen
und gläserne Decken.
Ich fordere!
Ich dringe ein!
Ich überwinde die Lügen
und die Vorurteile.
Und nein!
Ich bin nicht einfach. Ich bin beschäftigt.
Ich mache Wellen,
ich schaffe Wege,
ich mache Platz
an diesem Ort,
in diesem Raum,
in dieser Welt.
Ich bin ermächtigt, andere zu ermächtigen.
Ich inspiriere Repräsentation,
Inklusion,
gegenseitigen Respekt.
Ich bin direkte Wirkung auf die Gesellschaft.
Ich bin Gleichberechtigung.
Ich bin Frau!
Text vorgeschlagen von Alina Filip, Sozialarbeiterin, Frauenhaus Klagenfurt
Ingeborg Bachmann aus „Im Himmel und auf Erden“
Über die Stirne Amelies lief ein roter Schatten. Sie trat vom Spiegel zurück und schloß
die Augen. Da war die Spur für einen Augenblick vergangen, die Justins Hand über
ihr Gesicht gezogen hatte.
Text vorgeschlagen von Johanna Sadounig, Künstlerin, Kulturvermittlerin und Autorin, Soroptimist International
Johanna Dohnal
Ich denke, es ist Zeit, daran zu erinnern: Die Vision des Feminismus ist nicht eine "weibliche Zukunft". Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.
Text vorgeschlagen von Angelika Kavas, Gleichstellungsbeauftragte AMS Service-Line
frei nach Kholoud Charaf: Hoffnung
Die Hoffnung ist eine sture Freundin, die sich weigert, dich zu verlassen, selbst wenn du schwörst,
dass du am Ende bist. Sie setzt sich neben dich, legt eine Hand auf deine Schulter und sagt mit unerschütterlicher Zuversicht: „Beruhige dich, ein paar Katastrophen noch, dann wird es besser!“
Sie ist wie ein öffentliches WLAN – verschwindet genau dann, wenn du sie brauchst, aber taucht
plötzlich wieder auf, wenn du längst aufgehört hast, nach ihr zu suchen.
Manchmal verhält sich die Hoffnung wie eine Katze, die beschlossen hat, dich zu ignorieren, Du rufst nach ihr, winkst ihr zu, sie sitzt nur da, leckt ihre Pfoten und tut, als würdest du nicht existieren.
Und dann, in einem unerwarteten Moment, springt sie dir voller Sehnsucht auf den Schoß.
Hoffnung ist ein Licht, das dir deine Freiheit schenkt, das deine Seele erfüllt, selbst wenn du glaubst, dass die Welt über dein Ende entscheidet.
Nimm sie mit auf deinen Weg. Sie ist geduldig. Und bleibt – wenn du sie bleiben lässt.
Text vorgeschlagen von Maria Leeb, Angewandtes Theater und Theaterpädagogik bei schau.Räume
Louise Michel: Mémoires
N’êtes-vous pas assez forts, vous autres hommes, pour faire une part de cette lutte suprême à la lutte pour les droits de la femme? Et alors hommes et femmes ensemble, ils gagneront les droits de l’humanité entière.
Männer, seid ihr nicht stark genug, um einen Teil dieses höchsten Kampfes zu einem Ringen um die Rechte der Frauen zu machen? Und dann werden Männer und Frauen gemeinsam die Rechte der gesamten Menschheit erringen.
Text vorgeschlagen von Utta Isop, Philosophin und Geschlechterforscherin, Bündnis für eine Welt – Eva Aichholzer und Walther Schütz
Luce Irigaray: Spiegel des anderen Geschlechts
Männlich oder weiblich (...) ist die erste Unterscheidung, die Sie machen, wenn Sie mit einem anderen menschlichen Wesen zusammentreffen, und Sie sind gewöhnt, diese Unterscheidung mit unbedenklicher Sicherheit zu machen. Aber wie? Das bleibt unausgesprochen, und es scheint Ihnen auch nicht der Mühe wert, dem nachzugehen. Schweigen also über diese unbedenkliche Sicherheit, die Sie davor bewahrt, sich bereits beim ersten Blick in dem Geschlecht der Person zu täuschen, der Sie begegnen könnten.
Text vorgeschlagen von Ute Liepold, Theatermacherin und Philosophin, Theater WOLKENFLUG, VISIBLE
Maja Haderlap
odhajam.
od tebe me vleče.
slutim, da bom pozabila
rožnato meglo
v prožnih večerih
med hribi.
kot lok
se napenja strmina,
sočnost nezrela
se razprodaja
temi noči.
počasi ti barve
bledijo.
odhajam
in čutim, da z jutrom
boš hladna,
vsa čista, kot
da se nikdar,
ne bi pregrešil
sij meseca
nad teboj.
ich gehe weg.
es treibt mich von dir.
ich ahne, daß ich den
rosenfarbenen nebel
an den weichen abenden
zwischen den hügeln vergessen werde.
wie ein bogen
spannt sich der steilhang,
pralle unreife
verschwendet sich
an das dunkel der nacht.
langsam verblassen
deine farben.
ich gehe weg
und spüre,
am morgen
wirst du kühl sein,
gereinigt, als hätte
der mondschein
sich nie an dir
vergangen.
Text vorgeschlagen von Alina Zeichen, Theatermacherin und Kulturarbeiterin, KD Barba, UNIKUM
Mareike Fallwickl: Das Licht ist hier viel heller
Begonnen hat es am 15. Oktober mit einem Tweet von Alyssa Milano, sieben Stunden später gab es dreißigtausend Antworten. If all the women who have been sexually harassed or assaulted wrote ›Me too‹ as a status, we might give people a sense of the magnitude of the problem, hat sie geschrieben, und die Welt hat reagiert. Als ich die ersten Bilder gesehen habe von Frauen, die sich den Hashtag aufs T-Shirt schrieben oder in die Handfläche, die Schilder hielten oder die Worte an eine Wand sprühten, schmolz der heiße Kern in meinem Hals. Er verflüssigte sich und ich bekam wieder besser Luft, obwohl ich anfing zu weinen. Es war ein stummes Weinen, ohne Schluchzen, ohne Schmerz, ein simples Überlaufen, wie es passiert, wenn man einen Teil loswerden muss von seinen Empfindungen. Ich scrollte mich durch die Statusmeldungen, durch die Geschichten von missbrauchenden Lehrern, übergriffigen Stiefbrüdern, anzüglichen Chefs, und ich war so erleichtert. Da waren sie, und sie waren viele. Die Menge der Stimmen macht einen Unterschied. Es ist kein Angriff, kein Ausholen zum Gegenschlag, es ist ein Aufzeigen, eine Umkehr von Scham zum Beschämen.
Text vorgeschlagen von Sarah Rebecca Kühl, Schauspielerin und Regisseurin, Theater Waltzwerk
Maren Kames: Halb Taube, Halb Pfau
Finde mich auf der Oberfläche des Planeten liegen, die Knie angewinkelt, und der Wind fährt mir unter den Rücken, in den Mund und zwischen die Beine und der Wind sagt mir, wo mein Körper aufhört und die Luft anfängt, die ganze Luft, und unter mir das submarine Schimmern, der Himmel ist eine relativ weitläufige Angelegenheit, er muss hier gleich in der Nähe sein, aber eine Verbindung kommt momentan nicht zustande. Ich bin ein System aus Rohren, vielleicht, die aneinander beginnen und ineinander enden, durch die der Wind geht, sonst nichts.
Text vorgeschlagen von Martin Dueller. Theater. Text. Drama, Theater a.c.m.e,-, Kulturhof, neuebuehnevillach
Nikolina Todorović
Trebala bi mi
Moja vlastita smrt
Kako bih se otrijeznila
I nastavila živjeti
Sve ono što do sada nisam.
Ich bräuchte
Meinen eigenen Tod
Um nüchtern zu werden
Und weiter zu leben
Um alles zu sein, was ich bisher nicht war.
Text vorgeschlagen von Enis Husić, Psychologe, CHECKPOINT Kärnten
Toni Morrison
The struggle for JUSTICE,
for DIGNITY,
for EQUALITY,
is not a fleeting moment but a
LONG, HARD PROCESS,
and in that process, we must
LEARN TO LEAN ON EACH OTHER.
The world may seem broken, but it is
in THE HEALING,
in THE REBUILDING,
where HOPE IS FOUND.
And we MUST keep building TOGETHER.
Der Kampf für GERECHTIGKEIT,
für WÜRDE,
für GLEICHHEIT,
ist kein flüchtiger Moment, sondern ein
LANGER, SCHWIERIGER PROZESS,
und in diesem Prozess müssen wir
LERNEN, UNS AUF EINANDER ZU VERLASSEN.
Die Welt mag zerbrochen erscheinen, aber
in DER HEILUNG,
im WIEDERAUFBAU
liegt die HOFFNUNG.
Und wir MÜSSEN GEMEINSAM weiterbauen.
Text vorgeschlagen von Juckl Entner, bei GemSe aktiv
W.I.T.C.H: Women´s Terrorist Conspiracy from Hell (Flugblatt)
Double, bubble, war and rubble,
When you mess with women, you’ll be in trouble.
We’re convicted of murder if abortion is planned.
Convicted of conspiracy if we fight for our rights.
And burned at the stake when we stand up to fight.
Doppelt, dreifach, Krieg und Trümmer,
wenn du dich mit Frauen anlegst, bekommst du Ärger.
Wir werden wegen Mordes verurteilt, wenn wir eine Abtreibung planen.
Wegen Verschwörung verurteilt, wenn wir für unsere Rechte kämpfen.
Und auf dem Scheiterhaufen verbrannt, wenn wir uns zur Wehr setzen.
Text vorgeschlagen von Alexandra Schmidt, Historikerin, Erinnern Villach
