Text collection

Kunstprojekt: Queer-feministische Zeilen mit Elisa Vladilo bei schau.Räume Villach 2026

Diese Textsammlung beinhaltet die von den eingeladenen Personen mitgebrachten Texte bzw. Textauszüge sowie deren Übersetzungen ins Deutsche. Sie wurden teils von den Teilnehmenden selbst übersetzt, teils mithilfe digitaler Übersetzungstools (DeepL). Druckfehler und Irrtümer vorbehalten.

 

 

Aaiún Nin: You Learn From Women 

 

1.

You learn from women 

early on

to not play cards at the devil´s table

To not look straight into the eyes of men

less they take you

 

Keep your legs closed

be good with your hands and learn quickly

Cry 

when no one can see you

eat the pain and

never think this life is yours to live

 

On Sundays I went to mass with belt marks 

on my legs

White Jesus on the cross 

who died to save us from our skin

Transfiguration of self-loathing

The blood shed on this altar

as a sacrifice to the gods of greed that

lay dormant behind a silver crucifixion 

Eat its body 

Drink its blood and

pray for skin light enough 

to be loved

 

The virgin stares ahead

unmoved by tears

of children too young

to feel worthless

 

with faces

depened with time

and eyes

downcast to avoid attention

 

Women are meant to be gentle

More caring

less violent

 

As if we have not learnt to eroticize our pain

Blind

suffocated rage

That lies screaming in the abdomen 

An inheritance of rememberence etched onto us

Blow after blow

 

There are some things

women brought up 

fearful and devout

must never crave

Whisperings of the body that clinge to skin

Slow fevers that entice stirrings

In thight spaces

Women with too many secrets

brought up 

devout and fearful

Should not be this way

 

2.

We´re all serpents in the grass

Too true to stay stuck 

in time mourning the past

Raging in the present with no space to be restored

A lifetime seeing red makes us bitter

Poisoned by black bile of disingenuous smiles

This world cannot decide my fate

 

I move 

Beyong the dashikis

The intricate names of Yoruba gods

carved statues of nubile women 

on black wood

The resentment of the displaced

I renounce the silence

and reclaim a voice

Black as fuck

 

Head too high

blowing kisses

at scowling faces

Running free enough 

to fall for someone with shady eyes

 

Heal what´s to heal 

from a life measured by sighs

things end too quickly to live behind the scenes

 

You learn from women

early on

that we all need kindness

To look for the stories

in women with downcast eyes

 

the devil is a lie that disappears behind smoke

and life

is a long journey towards forgiveness.

 

1.

Man lernt von Frauen

schon früh

nicht am Tisch des Teufels Karten zu spielen

Männern nicht direkt in die Augen zu sehen

damit sie dich nicht holen

 

Halte deine Beine geschlossen

Sei geschickt mit deinen Händen und lerne schnell

Weine

wenn dich niemand sieht

Verschlucke den Schmerz

und glaube niemals, dieses Leben gehöre dir

 

An Sonntagen ging ich mit Gürtelschwielen 

an den Beinen zur Messe

Ein weißer Jesus am Kreuz 

der starb, um uns von unserer Haut zu erlösen

Verklärung des Selbsthasses

Das Blut, vergossen auf diesem Altar

als Opfer für die Götter der Gier

die hinter einem silbernen Kruzifix lauerten

Iss seinen Leib

Trink sein Blut

und bete um eine Haut, hell genug

um geliebt zu werden

 

Die Jungfrau blickt nach vorn

unbewegt von den Tränen

von Kindern, die noch zu jung sind

um sich wertlos zu fühlen

 

mit Gesichtern,

von der Zeit gezeichnet

und Augen,

gesenkt, um nicht aufzufallen

 

Frauen sollen sanft sein

Fürsorglicher

weniger gewalttätig

 

Als hätten wir nicht gelernt

unseren Schmerz zu erotisieren

Blind

Erstickte Wut, die im Unterleib schreit

Ein Erbe der Erinnerung, in uns eingebrannt

Schlag um Schlag

 

Es gibt Dinge

mit denen Frauen erzogen werden

ängstlich und fromm

sie dürfen nicht begehren

Flüstern des Körpers, das an der Haut haftet

Langsame Fieber, die locken

In engen Räumen

Frauen mit zu vielen Geheimnissen

aufgezogen

in Frömmigkeit und Furcht

So sollte es nicht sein

 

2.

Wir sind alle Schlangen im Gras

Zu wahrhaftig, um im Trauern 

um die Vergangenheit stecken zu bleiben

Wütend im Jetzt, ohne Raum zur Heilung

Ein Leben lang Rot sehen macht bitter

Vergiftet vom schwarzen Gallensaft unehrlichen Lächeln

Diese Welt entscheidet nicht über mein Schicksal

 

Ich bewege mich

Jenseits der Dashikis

Der verschlungenen Namen der Yoruba-Götter

der geschnitzten Figuren nackter Frauen 

aus schwarzem Holz

Der Groll der Vertriebenen

Ich entsage dem Schweigen

und fordere meine Stimme zurück

Schwarz wie die Nacht

 

Den Kopf zu hoch erhoben

Küsse werfend

in finstere Gesichter

Frei genug rennend

um mich in Augen zu verlieren, die im Schatten liegen

Heilen, was zu heilen ist

aus einem Leben, gemessen an Blicken

Alles endet zu schnell

um hinter den Kulissen zu verharren

 

Man lernt von Frauen

schon früh

dass wir alle Güte brauchen

Dass man die Geschichten suchen soll

in Frauen mit gesenkten Augen

 

der Teufel ist eine Lüge, die hinter Rauch verschwindet

und das Leben

ist eine lange Reise hin zur Vergebung.

 

Text vorgeschlagen von Mitch Noah Münzer, Diversität, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit bei schau.Räume

 

 

Alfonsina Storni: Tú me quieres blanca

 

Tú me quieres alba, 

me quieres de espumas, 

me quieres de nácar. 

Que sea azucena 

Sobre todas, casta. 

De perfume tenue. 

Corola cerrada.

 

Ni un rayo de luna 

filtrado me haya. 

Ni una margarita se diga mi hermana. 

Tú me quieres nívea, 

tú me quieres blanca, 

tú me quieres alba.

 

Tú que hubiste todas 

las copas a mano, 

de frutos y mieles 

los labios morados. 

Tú que en el banquete 

cubierto de pámpanos 

dejaste las carnes 

festejando a Baco. 

Tú que en los jardines 

negros del Engaño 

vestido de rojo 

corriste al Estrago.

 

Tú que el esqueleto 

conservas intacto 

no sé todavía 

por cuáles milagros, 

me pretendes blanca 

(Dios te lo perdone), 

me pretendes casta

(Dios te lo perdone), 

¡me pretendes alba! 

Huye hacia los bosques, 

vete a la montaña; 

límpiate la boca; 

vive en las cabañas; 

toca con las manos 

la tierra mojada; 

alimenta el cuerpo 

con raíz amarga; 

bebe de las rocas; 

duerme sobre escarcha; 

renueva tejidos con salitre y agua: 

Habla con los pájaros 

y límpiate al alba. 

Y cuando las carnes 

te sean tornadas, 

y cuando hayas puesto 

en ellas el alma 

que por las alcobas 

se quedó enredada, 

entonces, buen hombre, 

preténdeme blanca, 

preténdeme nívea, 

preténdeme casta

 

Du willst mich wie die Morgendämmerung, 

du willst mich wie Schaum, 

du willst mich wie Perlmutt. 

Ich soll eine Lilie sein, 

über allen anderen, keusch. 

Mit zartem Duft. 

Geschlossener Blütenkrone.

 

Kein Mondstrahl 

darf mich durchdringen. 

Keine Margerite soll meine Schwester sein. 

Du willst mich schneeweiß, 

du willst mich weiß, 

du willst mich wie die Morgendämmerung.

 

Du, der du alle Kelche 

zur Hand hattest, 

die Lippen violett 

von Früchten und Honig. 

Du, der du beim Festmahl, 

bedeckt von Weinranken, 

das Fleisch zurückgelassen hast, 

um Bacchus zu feiern. 

Du, der du in den schwarzen Gärten 

der Täuschung

in rotem Kleid 

dem Verderben entflohen bist.

 

Du, der du das Skelett 

unversehrt bewahrst, 

ich weiß noch nicht, 

durch welche Wunder, 

du willst mich weiß haben 

(Gott vergebe dir), 

du willst mich keusch haben 

(Gott vergebe dir), 

du willst mich dämmerig haben!

 

Fliehe in die Wälder, 

geh in die Berge; 

reinige deinen Mund; 

lebe in Hütten; 

berühre mit deinen Händen 

die feuchte Erde; 

ernähre deinen Körper 

mit bitteren Wurzeln; 

trinke aus den Felsen; 

schlafe auf Frost; 

erneuere dein Gewebe mit Salpeter und Wasser:

 

Sprich mit den Vögeln 

und reinige dich im Morgengrauen. 

Und wenn dir dein Fleisch 

zurückgegeben wird, 

und wenn du deine Seele, 

die in den Kammern 

verstrickt geblieben ist, 

in es gelegt hast, 

dann, guter Mann, 

halte mich für rein, 

halte mich für schneeweiß, 

halte mich für keusch.

 

Text vorgeschlagen von Sara Zambrano Moreno, Schauspielerin, Regisseurin & Theatermacherin, teatro zumbayllu 

 

 

Clara Zetkin 

 

1. We do not expect our full emancipation from the admission of women to what is called the sex trade. 

2. That rights/laws without economic freedom is nothing more and nothing less than a change.

3. Equality is based on conviction. We should have a range of social movements that advocates for the political, economic and social equality of the sexes.

 

1. Wir erwarten keine vollständige Emanzipation durch die Zulassung von Frauen zum sogenannten Sexgewerbe. 

2. Rechte/Gesetze ohne wirtschaftliche Freiheit sind nichts weiter als eine Veränderung.

3. Gleichberechtigung basiert auf Überzeugung. Wir sollten eine Reihe von sozialen Bewegungen haben, die sich für die politische, wirtschaftliche und soziale Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzen.

 

Text vorgeschlagen von Menata Njie, Politikerin und Autorin 

 

 

Dagný Kristjánsdóttir & Kristján Jónsson

 

Í augsýn er nú frelsi

og fyrr það mátti vera,

nú fylkja konur liði

og frelsismerki bera.

Stundin er runnin upp.

Tökumst allar hönd í hönd

og höldum fast á málum

þó ýmsir vilji aftur á bak

en aðrir standa í stað,

tökum við aldrei undir það.

 

Viðla

En þori ég, vil ég, get ég?

Já, ég þori, get og vil.

En þori ég, vil ég, get ég?

Já ég þori, get og vil.

 

Og seinna börnin segja:

sko mömmu, hún hreinsaði til.

Já seinna börnin segja:

Þetta er einmitt sú veröld sem ég vil.

 

Viðlag

Áfram stelpur, standa á fætur,

slítum allar gamlar rætur,

þúsund ára kvennakúgunar.

 

Ef einstaklingurinn er virkur

verður fjöldinn okkar styrkur

og við gerum ótal breytingar.

Atkvæði eigum við í hrönnum,

komum pólitíkinni í lag,

sköpum jafnrétti og bræðralag.

Áfram stelpur, hér er höndin,

hnýtum saman vinaböndin,

verum ekki deigar dansinn í.

Byggjum nýjan heim með höndum,

hraustra kvenna í öllum löndum,

látum enga linku vera í því.

Börnin eignast alla okkar reynslu,

sýnum með eigin einingu,

aflið í fjöldasamstöðu.

Stelpur horfið ögn til baka

á allt sem hefur konur þjakað,

stelpur horfið bálreiðar um öxl.

Ef baráttu að baki áttu

berðu höfðu hátt og láttu

efann hverfa, unnist hefur margt.

Þó er mörgu ekki svarað enn:

Því er ekki jafnréttið mikið í raun,

hvenær verða allir menn taldir menn

með sömu störf og líka sömu laun?

Í augsýn er nú frelsi

og fyrr það mátti vera,

nú fylkja konur liði

og frelsismerki bera.

Stundin er runnin upp.

Tökumst allar hönd í hönd

og höldum fast á málum

þó ýmsir vilji aftur á bak

en aðrir standa í stað,

tökum við aldrei undir það.

Viðlag

En þori ég, vil ég, get ég?

Já, ég þori, get og vil.

En þori ég, vil ég, get ég?

Já ég þori, get og vil.

 

In Sicht ist jetzt die Freiheit,

Und es wurde ja auch endlich Zeit,

Frauen kommen und stehen zusammen,

Und tragen das Symbol der Freiheit.

Die Zeit ist angebrochen! 

Die Stunde ist nun da!

Wir halten uns alle Hand in die Hand

Und halten fest an unseren Zielen,

Auch wenn manche nach hinten wollen,

Andere stehen still,
Doch wir stimmen niemals zu!

 

Chor

Doch wage ich, will ich, kann ich?

Ja, ich wage, kann und will!

Doch wage ich, will ich, kann ich?

Ja, ich wage, kann und will!

 

Und später sagen die Kinder:

Schau Mama, sie hat aufgeräumt.

Ja, später sagen die Kinder:

Genau das ist die Welt, die ich will.

 

Chor

Vorwärts, Mädchen! Steht auf!

Wir reißen alte Wurzeln aus,

Tausend Jahre Frauenunterdrückung.

 

 

Wenn jede*r aktiv ist,

Wird die Masse unsere Stärke,

Und wir machen Veränderungen.

Wir haben eine Stimme,

Bringen die Politik ins Gleichgewicht,

Schaffen Gleichheit und Brüderlichkeit.

 

Vorwärts, Mädchen! Hier ist die Hand,

Nutzen wir die Freundschaftsbänder,

Werdet nicht Teil des Tanzes,

Baut eine neue Welt mit euren Händen,

Schließen wir die Lücke zwischen Frauen,

In allen Ländern, Lasst keine Lücke offen.

Die Kinder erben unsere ganze Erfahrung,

Zeigen sie mit unserer Einheit,

Die Kraft in der Masse.

 

Mädchen! Blickt ein wenig zurück

Auf all das, was Frauen unterdrückt hat,

Mädchen! spannt den Rücken durch,

Wenn ihr einen Kampf hinter euch habt,

Tragt den Kopf hoch,

Lass die Angst vergehen, Memories wurden viel durchlebt.

Doch vieles ist noch unbeantwortet:

Denn die Gleichheit ist noch nicht wirklich groß,

Wann werden alle Menschen als Menschen gezählt,

Mit denselben Jobs und auch denselben Löhnen?

 

In Sicht ist jetzt die Freiheit,

Und früher hätte es sein sollen

Frauen ziehen zusammen,

Und tragen das Symbol der Freiheit.

Die Stunde ist nun da!

Wir nehmen uns alle die Hand in die Hand

Und halten fest an unseren Zielen,

Auch wenn manche nach hinten wollen,

Andere stehen still, 

Doch wir stimmen niemals zu!

 

Chor

Doch wage ich, will ich, kann ich?

Ja, ich wage, kann und will.

Doch wage ich, will ich, kann ich?

Ja, ich wage, kann und will.

 

Text vorgeschlagen von Simone Dueller, Künstlerin, Kulturvermittlerin & Kulturarbeiterin, Theater a.c.m.e,-

 

 

Hafsat Abdullahi

 

I’m to be a commodity.

Part recreation.

Part reproduction.

I am to be a currency.

A prize to pride

over masculinity.

I am to be,

all I’m told to be.

But today

I’m everything

I’m not supposed to be.

 

I’m a glitch in 

societal programming

I’m becoming a bug in the system

I’m a crack in the matrix wall

 

I’m a wrecking ball

Smashing Doors

Mashing Laws!

 

I’m a cracked code 

raiding status quo I go

Breaking iron bars 

& glass ceilings

 

I’m demanding!

Intruding!

Overcoming the lies 

and the prejudice

And no!

 

I’m not easy, I’m busy,

Making waves

Making ways

Making space 

In this place,

In this room

In this world

 

I’m empowered to empower

I inspire representation

Inclusion

Mutual Respect

I’m direct impact on society

I’m equality

I am woman!

 

Ich soll eine Ware sein.

Teils Vergnügen.

Teils Reproduktion.

Ich soll eine Währung sein.

Ein Preis,

mit dem sich Männlichkeit schmückt.

Ich soll sein,

was man mir sagt, dass ich sei.

Doch heute

bin ich alles,

was ich nicht sein soll.

 

Ich bin ein Fehler

im gesellschaftlichen Programm.

Ich werde ein Bruch im System sein.

Ein Riss in der Matrix-Wand. 

 

Ich bin eine Abrissbirne,

die Türen einschlägt,

Gesetze zerschmettert!

 

Ich bin ein geknackter Code,

der den Status quo stürmt.

Ich gehe los, breche Eisenstangen

und gläserne Decken.

 

Ich fordere!

Ich dringe ein!

Ich überwinde die Lügen

und die Vorurteile.

Und nein!

Ich bin nicht einfach. Ich bin beschäftigt.

Ich mache Wellen,

ich schaffe Wege,

ich mache Platz

an diesem Ort,

in diesem Raum,

in dieser Welt.

 

Ich bin ermächtigt, andere zu ermächtigen.

Ich inspiriere Repräsentation,

Inklusion,
gegenseitigen Respekt.

Ich bin direkte Wirkung auf die Gesellschaft.

Ich bin Gleichberechtigung.

Ich bin Frau!

 

Text vorgeschlagen von Alina Filip, Sozialarbeiterin, Frauenhaus Klagenfurt 

 

 

Ingeborg Bachmann aus „Im Himmel und auf Erden“

 

Über die Stirne Amelies lief ein roter Schatten. Sie trat vom Spiegel zurück und schloß 

die Augen. Da war die Spur für einen Augenblick vergangen, die Justins Hand über 

ihr Gesicht gezogen hatte.

 

Text vorgeschlagen von Johanna Sadounig, Künstlerin, Kulturvermittlerin und Autorin, Soroptimist International 

 

 

Johanna Dohnal

 

Ich denke, es ist Zeit, daran zu erinnern: Die Vision des Feminismus ist nicht eine "weibliche Zukunft". Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.

 

Text vorgeschlagen von Angelika Kavas, Gleichstellungsbeauftragte AMS Service-Line 

 

 

frei nach Kholoud Charaf: Hoffnung 

 

Die Hoffnung ist eine sture Freundin, die sich weigert, dich zu verlassen, selbst wenn du schwörst, 

dass du am Ende bist. Sie setzt sich neben dich, legt eine Hand auf deine Schulter und sagt mit unerschütterlicher Zuversicht: „Beruhige dich, ein paar Katastrophen noch, dann wird es besser!“

Sie ist wie ein öffentliches WLAN – verschwindet genau dann, wenn du sie brauchst, aber taucht 

plötzlich wieder auf, wenn du längst aufgehört hast, nach ihr zu suchen.

Manchmal verhält sich die Hoffnung wie eine Katze, die beschlossen hat, dich zu ignorieren, Du rufst nach ihr, winkst ihr zu, sie sitzt nur da, leckt ihre Pfoten und tut, als würdest du nicht existieren. 

Und dann, in einem unerwarteten Moment, springt sie dir voller Sehnsucht auf den Schoß.

Hoffnung ist ein Licht, das dir deine Freiheit schenkt, das deine Seele erfüllt, selbst wenn du glaubst, dass die Welt über dein Ende entscheidet.

Nimm sie mit auf deinen Weg. Sie ist geduldig. Und bleibt – wenn du sie bleiben lässt.

 

Text vorgeschlagen von Maria Leeb, Angewandtes Theater und Theaterpädagogik bei schau.Räume

 

 

Louise Michel: Mémoires

 

N’êtes-vous pas assez forts, vous autres hommes, pour faire une part de cette lutte suprême à la lutte pour les droits de la femme? Et alors hommes et femmes ensemble, ils gagneront les  droits de l’humanité entière.

 

Männer, seid ihr nicht stark genug, um einen Teil dieses höchsten Kampfes zu einem Ringen um die Rechte der Frauen zu machen? Und dann werden Männer und Frauen gemeinsam die Rechte der gesamten Menschheit erringen.

 

Text vorgeschlagen von Utta Isop, Philosophin und Geschlechterforscherin, Bündnis für eine Welt – Eva Aichholzer und Walther Schütz

 

 

Luce Irigaray: Spiegel des anderen Geschlechts

 

Männlich oder weiblich (...) ist die erste Unterscheidung, die Sie machen, wenn Sie mit einem anderen menschlichen Wesen zusammentreffen, und Sie sind gewöhnt, diese Unterscheidung mit unbedenklicher Sicherheit zu machen. Aber wie? Das bleibt unausgesprochen, und es scheint Ihnen auch nicht der Mühe wert, dem nachzugehen. Schweigen also über diese unbedenkliche Sicherheit, die Sie davor bewahrt, sich bereits beim ersten Blick in dem Geschlecht der Person zu täuschen, der Sie begegnen könnten. 

 

Text vorgeschlagen von Ute Liepold, Theatermacherin und Philosophin, Theater WOLKENFLUG, VISIBLE

 

 

Maja Haderlap

 

odhajam.

od tebe me vleče.

slutim, da bom pozabila

rožnato meglo

v prožnih večerih

med hribi.

kot lok

se napenja strmina,

sočnost nezrela

se razprodaja

temi noči.

počasi ti barve

bledijo.

 

odhajam

in čutim, da z jutrom

boš hladna,

vsa čista, kot

da se nikdar,

ne bi pregrešil

sij meseca

nad teboj.

 

ich gehe weg.

es treibt mich von dir.

ich ahne, daß ich den

rosenfarbenen nebel

an den weichen abenden

zwischen den hügeln vergessen werde.

wie ein bogen

spannt sich der steilhang,

pralle unreife

verschwendet sich

an das dunkel der nacht.

langsam verblassen

deine farben.

 

ich gehe weg

und spüre,

am morgen

wirst du kühl sein,

gereinigt, als hätte

der mondschein

sich nie an dir

vergangen.

 

Text vorgeschlagen von Alina Zeichen, Theatermacherin und Kulturarbeiterin, KD Barba, UNIKUM

 

 

Mareike Fallwickl: Das Licht ist hier viel heller

 

Begonnen hat es am 15. Oktober mit einem Tweet von Alyssa Milano, sieben Stunden später gab es dreißigtausend Antworten. If all the women who have been sexually harassed or assaulted wrote ›Me too‹ as a status, we might give people a sense of the magnitude of the problem, hat sie geschrieben, und die Welt hat reagiert. Als ich die ersten Bilder gesehen habe von Frauen, die sich den Hashtag aufs T-Shirt schrieben oder in die Handfläche, die Schilder hielten oder die Worte an eine Wand sprühten, schmolz der heiße Kern in meinem Hals. Er verflüssigte sich und ich bekam wieder besser Luft, obwohl ich anfing zu weinen. Es war ein stummes Weinen, ohne Schluchzen, ohne Schmerz, ein simples Überlaufen, wie es passiert, wenn man einen Teil loswerden muss von seinen Empfindungen. Ich scrollte mich durch die Statusmeldungen, durch die Geschichten von missbrauchenden Lehrern, übergriffigen Stiefbrüdern, anzüglichen Chefs, und ich war so erleichtert. Da waren sie, und sie waren viele. Die Menge der Stimmen macht einen Unterschied. Es ist kein Angriff, kein Ausholen zum Gegenschlag, es ist ein Aufzeigen, eine Umkehr von Scham zum Beschämen.

 

Text vorgeschlagen von Sarah Rebecca Kühl, Schauspielerin und Regisseurin, Theater Waltzwerk 

 

 

Maren Kames: Halb Taube, Halb Pfau

 

Finde mich auf der Oberfläche des Planeten liegen, die Knie angewinkelt, und der Wind fährt mir unter den Rücken, in den Mund und zwischen die Beine und der Wind sagt mir, wo mein Körper aufhört und die Luft anfängt, die ganze Luft, und unter mir das submarine Schimmern, der Himmel ist eine relativ weitläufige Angelegenheit, er muss hier gleich in der Nähe sein, aber eine Verbindung kommt momentan nicht zustande. Ich bin ein System aus Rohren, vielleicht, die aneinander beginnen und ineinander enden, durch die der Wind geht, sonst nichts.

 

Text vorgeschlagen von Martin Dueller. Theater. Text. Drama, Theater a.c.m.e,-, Kulturhof, neuebuehnevillach

 

 

Nikolina Todorović

 

Trebala bi mi 

Moja vlastita smrt 

Kako bih se otrijeznila 

I nastavila živjeti 

Sve ono što do sada nisam.

 

Ich bräuchte

Meinen eigenen Tod

Um nüchtern zu werden

Und weiter zu leben

Um alles zu sein, was ich bisher nicht war.

 

Text vorgeschlagen von Enis Husić, Psychologe, CHECKPOINT Kärnten

 

 

Toni Morrison

 

The struggle for JUSTICE,

for DIGNITY,

for EQUALITY,

 is not a fleeting moment but a 

LONG, HARD PROCESS,

and in that process, we must

LEARN TO LEAN ON EACH OTHER.

The world may seem broken, but it is 

in THE HEALING,

in THE REBUILDING,

where HOPE IS FOUND.

And we MUST keep building TOGETHER.

 

Der Kampf für GERECHTIGKEIT,

für WÜRDE,

für GLEICHHEIT,

ist kein flüchtiger Moment, sondern ein 

LANGER, SCHWIERIGER PROZESS,

und in diesem Prozess müssen wir

LERNEN, UNS AUF EINANDER ZU VERLASSEN.

Die Welt mag zerbrochen erscheinen, aber 

in DER HEILUNG,

im WIEDERAUFBAU

liegt die HOFFNUNG.

Und wir MÜSSEN GEMEINSAM weiterbauen.

 

Text vorgeschlagen von Juckl Entner, bei GemSe aktiv

 

 

W.I.T.C.H: Women´s Terrorist Conspiracy from Hell (Flugblatt)

 

Double, bubble, war and rubble, 

When you mess with women, you’ll be in trouble. 

We’re convicted of murder if abortion is planned. 

Convicted of conspiracy if we fight for our rights. 

And burned at the stake when we stand up to fight.

 

Doppelt, dreifach, Krieg und Trümmer, 

wenn du dich mit Frauen anlegst, bekommst du Ärger. 

Wir werden wegen Mordes verurteilt, wenn wir eine Abtreibung planen. 

Wegen Verschwörung verurteilt, wenn wir für unsere Rechte kämpfen. 

Und auf dem Scheiterhaufen verbrannt, wenn wir uns zur Wehr setzen.

 

Text vorgeschlagen von Alexandra Schmidt, Historikerin, Erinnern Villach